Bericht Irina Pfeiffer Reise nach Nischni Nowgorod

Auch in diesem Jahr fuhr unsere zweite Vorsitzende Irina Pfeiffer nach Nischni Nowgorod, um unsere Freiwilligen nach einem ersten Monat zu besuchen und Kontakte zu pflegen. Und wieder kann sie von vielfältigen Eindrücken, den aktuellen Entwicklungen und der persönlichen Begegnungen aus unserer Partnerstadt und der Region berichten. Vielen Dank dir!

Liebe Freunde der deutsch-russischen Begegnung!

Unser Mitglied Thomas Pallack und ich besuchten vom 1. bis zum 8. Oktober unsere Partnerstadt Nischni Nowgorod. Barbara Lachhein war ebenfalls in NN vom 2. bis 7. Oktober, wo sie an einer linguistischen Konferenz teilgenommen und viele Termine unserer Gesellschaft wahrgenommen hat.

Zu allererst hat Inna Jastremskaja, die pädagogische Betreuerin unserer Friedis, in Nischni, uns Termine in den Schulen, in denen die Friedis arbeiten, gemacht.

Treffpunkt war wiedermal der Gorki-Platz, wo ein Bus der Schule Nr. 86 auf uns wartete.

Meine erste Frage an die Friedis Felix Reinhardt und Florian Minier war, wie geht es euch? Die Antwort lautete, super! Davon konnte ich mich auch in der uns bevorstehenden Woche voll überzeugen.

2. Oktober In beiden Schulen waren die Direktorinnen voller Lobes über die beiden Friedis. Sie sind eine echte Hilfe in der Klasse mit den schwerbehinderten Kindern. Die Kinder freuen sich, wenn ihre Helfer in die Klasse kommen und suchen den Kontakt zu ihnen. In der Schule Nr. 86 können die Schüler jetzt zweimal in der Woche zum Schwimmunterricht, außerdem wurden drei neue Sportlehrer eingestellt. Nach einem Monat hat sich die sprachliche Verständigung unserer Friedis mit den Pädagogen merklich verbessert. Der deutsch-russische Tandem Unterricht ist auch schon von Inna organisiert worden. Florian fotografiert viel und Felix hat auf der Bolschaja Pokrowka einen Waldhornbläser angesprochen, der ihm viele Kontakte zu einem Blasorchester vermittelt.

Nachmittags schauten wir in der Gebietsverwaltung vorbei. Uns empfing der Stellvertreten von Frau Olga Guseva, Herr Prelov. Die Abteilung für außenwirtschaftliche Beziehungen ist auch an Wirtschaftskontakten nach Essen und NRW interessiert. Da könnte die IHK vermitteln. Groß ist auch das Thema Ökologie.

3. Oktober Am Nachmittag holte uns Alexander Surin, Leiter des Resourcenzentrums für inklusive Pädagogik der Lobatschewski Uni ab. Gezeigt wurde das neue Studentenwohnheim, in dem zum ersten Mal Friedis von uns untergebracht sind. Abgesehen davon, dass in dem Moment das Licht ausfiel und wir in das 8. OG zu Fuß hochgehen mussten, ist das Heim eine gute Alternative. Die Friedis sind mit der Unterkunft sehr zufrieden, sie bewohnen ein Zimmer, Küche, Duschbad, getrennt davon das WC. Die Ausstattung ist zweckmäßig, ausreichend, Küchenutensilien wurden aus der vorherigen Wohnung übernommen. Die Bettwäsche und Handtücher werden vom Haus gewaschen, Gemeinschaftswaschmaschinen stehen zur Verfügung.

Die Friedis bekamen eine Studentenausweis, damit können sie eine Monatskarte für den öffentlichen Verkehr für 600 Rubel (ca. 8,60 €) kaufen. Swetlana Volkova,  aus der Abteilung für Städtepartnerschaften, hat sich zusammen mit uns das Appartement angesehen.

4. Oktober Am nächsten Tag hatte die neue Rektorin der Linguistischen Uni Frau Dr. Zhanna Nikonova Zeit für uns gefunden, trotz der laufenden Konferenz. Die bestehenden Projekte sind nach wie vor wichtig. Das neue Zeitungsprojekt „Wolga-Ruhr“ mit der NRZ wird von der Linguistischen Uni nach Kräften unterstützt. Die Redaktion der russischen Texte übernimmt Frau Skworzowa, die Redaktion der deutschen Texte soll in Essen erfolgen. Frau Nikonova hat an uns den Wunsch herangetragen, dass die Direktorin der drei Gorki-Museen in NN Frau Larissa Motorina gerne im Februar/März nach Essen kommen würde, um sich mit Fachleuten über Erfahrungen im Museums-Tourismus auszutauschen.

Interessant war auch, dass Frau Nikonova davon sprach, dass der Gouverneur Nikitin sich die Verbesserung der Ökologie in der Region auf die Fahnen geschrieben hat. Da könnten die Erfahrungen von Essen von Bedeutung sein. Sanierung von Müllhalden und Industriegelände.

Am Nachmittag fand die Feier zum Gedenken an den 95. Geburtstag des Metropoliten  Nikolai im Kunstmuseum statt. Von diesem Termin erfuhr ich kurzfristig von Natalia Skworzowa. Metropolit Nikolai wird in Nischni immer noch stark verehrt, weil er für die orthodoxe Kirche und die Bürger in Nischni Nowgorod ein sehr außergewöhnlicher Geistlicher war. Zur Gedenkfeier versammelten sich viele Geistliche von Nach und Fern aller Konfessionen, dazu die städtische und Gebietsobrigkeit.

Unerwartet wurde ich aufgefordert auch etwas zu unseren Kontakten und Erfahrungen mit dem Metropoliten zu erzählen. Da mir keine Wahl blieb, berichtete ich über den Besuch des Metropoliten und seines Chors auf dem Friedhof in Essen, wo die Kinder der Ostarbeiterinnen beigesetzt wurden. Metropolit Nikolai sprach dort ein Gebet und anschließend sang der Chor. Für die Weltoffenheit des Metropoliten sprach auch der von ihm gemeinsam mit dem Geistlichen der altkatholischen Gemeinde zelebrierte Gottesdienst. Mein Beitrag bei der Veranstaltung fiel zwar aus dem Rahmen, aber er enthielt viel Menschliches, ich bekam dafür viel Applaus von den nicht-geistlichen Verehrern des Metropoliten. Ich muss gestehen, dass dieser Teil des Programms in Nischni Nowgorod mich am meisten gerührt hat. Es kann passieren, dass die Mitglieder des Gedenkfonds des Metropoliten Nikolai Essen besuchen kommen, um hier seine Wirkungsstätten zu sehen.

5. Oktober Am Samstag haben wir mit den Friedis einen Ausflug nach Diveevo unternommen. Es ist ein großes Kloster und ein viel besuchter Wallfahrtsort, weil dort auch die Gebeine von dem heilig gesprochenen Serafim Sorowski verehrt werden. Die in der Nähe liegenden Heilquellen haben nur 4° C, von uns hat sich Keiner getraut da hineinzusteigen und drei Mal unterzutauchen.

Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in Arzamas. Die

Stadt fällt schon aus der Ferne mit den endlos vielen Kirchentürmen auf. Auch hier gibt es ein Frauenkloster mit wundertätigen Ikonen. In der einen Kirche fanden wir Abbildungen von den Essener Schutzheiligen Kosmas und Damian, uns wurde auch berichtet, dass die Gebeine dieser heiligen im Männerkloster in Werchneturinsk, Ural, ruhen. Thomas Pallack hat inzwischen recherchiert und festgestellt, dass es eine Mär ist. Wir haben auch andere Geschichten von Wunderheilungen gehört, es war interessant und gab Stoff für viele Diskussionen.

6. Oktober Am Sonntag stand Gorodez auf dem Programm. Die Stadt stellte uns einen Bus zur Verfügung, Natalia Skworzowa und Svetlana Volkova von der Stadt kamen mit. Während der Stadtführung regnete es immerfort. Also sind wir meistens im Bus geblieben. Auffallend war ein Panzer vor der Kirche des Fjodorow Klosters. Auf die Frage an die Fremdenführerin, ob der Stadtrat nicht beschließen kann, den Panzer zu entfernen? Sagte sie: „Nee, der wurde er kürzlich hier aufgestellt und heißt „Iosif Stalin“. Dazu fiel mir nichts mehr ein. Das Samowar-Museum und das Haus der Fürstin Panova  wurden besichtigt. Danach wärmten wir uns mit Iwan-Tschaj auf, ein Gorodezkij Prjanik (Lebkuchen) gehörte auch dazu. Zurück in der Stadt waren wir froh, einen reich gedeckten Tisch bei Inna Jastremskaja vor zu finden.

7. Oktober Der Montag begann mit dem Treffen in der Abteilung für internationale und außenwirtschaftliche Zusammenarbeit unter der Leitung von Herrn Sergej Soldatenkov. Der Bereich Städtepartnerschaften gehört jetzt auch zu dieser Abteilung. Die beiden Direktorinnen der Schulen Nr. 56 und Nr. 86 waren auch geladen. Wir einigten uns darauf, dass es sinnvollerweise Niederschriften über die Tätigkeiten für unsere Friedis geben sollte, damit beiden Seiten klar sei, welche Art von Arbeit geleistet werden kann, um die Friedis nicht zu überfordern.

Das bestehende Abkommen zwischen Stadt Nischni Nowgorod und unserer Gesellschaft soll aktualisiert werden. Auch die Modalitäten für Meldepflicht bei Reisen im Land wurden besprochen. Bei der Organisation Sfera, die unser Entsendepartner für die russischen Friedis ist, haben wir leider niemand angetroffen.

Nachmittags bekamen wir die Gelegenheit, uns ein altes Holzhaus in der Str. Korolenko 18 anzusehen. Dieses Haus von 1891 mit 700 m2 über 2 Stockwerke könnte zum „Haus der deutsch-russischen Begegnung“ ausgebaut werden. Es ist ein städtisches Gebäude, leer geräumt, steht in einem Stadtteil, wo noch einige solcher Häuser stehen geblieben sind. Es liegt oberhalb der Gorkistr. in der Nähe der lutherischen Gemeinde. Die Bürgerbewegung „Derewjannyj Gorod“ hat dafür gekämpft, dass diese Häuser nicht abgerissen werden. Der jetzige Bürgermeister unterstützt die Bewegung. Der Leiter dieser Bewegung beklagte, dass es in Nischni Nowgorod keine Fachleute für eine fachgerechte Renovierung solcher Häuser gibt. Es besteht auch großes Interesse Fachleute ausbilden zu lassen.

Unseren letzten Abend in Nischni Nowgorod, verbrachten wir im Restaurant „Churma“ auf Einladung vom ehemaligen Bürgermeister Herrn Juri Lebedev. Er ist Abgeordneter im Landtag und ist unserer Gesellschaft und dem Friedi-Programm sehr zugetan. Unser 30-jähriges Jubiläum wird Herr Lebedev dem Gouverneur auch näher bringen. Auch Herr Lebedev bestätigte, dass der Gouverneur Nikitin von Putin zum Leiter eines Umwelt-Komitees in seinem Kabinett ernannt wurde.

Ich vermute, dass das Thema Umwelt und die Umsetzung in den nächsten Jahren den Austausch mit unserer Partnerstadt stark bestimmen werden.

 

Anmerkungen:

Die Direktorin der Sonderschule Nr. 86 Frau Julia Orlova würde gerne mit einer Gruppe ihrer Pädagogen nach Essen kommen und sich einschlägige Einrichtungen anschauen. Um das Geld für die Reise wird sie bei den Stadträten nachfragen. Florian und Felix haben sich bereit erklär die Gruppe in Essen zu betreuen. Als Termin wurde der Herbst nächsten Jahres angedacht.

Frau Elena Mischina ist jetzt im Department für Unternehmertum und Tourismus. sie leitet die Abteilung für Tourismusentwicklung. Sie bleibt uns in Allem verbunden.

Zu unserem 30-jährigen Jubiläum hatte Frau Skworzowa den Vorschlag ein gemeinsames Heft in Deutsch und Russisch zu erstellen. So sollen Menschen zu Wort kommen, die „zur Festigung der Freundschaft beitragen“. Dazu zählt z. B. Herr Meier von der NRZ, die Bürgermeister auf beiden Seiten und viele anderen. Auch Herr Lebedev fand den Vorschlag gut und ist bereit mitzuwirken.

Haben Sie Fragen und Anregungen für unsere Friedis Felix Reinhardt rusty.fex@gmx.de  und Florian Minier florian.mi@gmx.de ? Dann schreiben Sie sie an.

Ihre Irina Pfeiffer