Literatur von Maxim Gorki: "Nachtasyl" «На дне»

Literatur von Maxim Gorki: „Nachtasyl“ «На дне»

Foto von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51087122

In diesem ereignisreichen Jahr 2018 wird der 150. Geburtstag von Maxim Gorki in seiner Geburtsstadt Nischni Nowgorod besonders stark gefeiert. Wir bringen zu diesem Anlass -neben diversen Veranstaltungen- hier digital tolle Beiträgen von der Linguistischen Universität Nischni Nowgorod (LUNN) mit, die sich mit Maxim Gorki beschäftigen und uns den Zugang zu seinem Leben und seinen Werken erleichtern können.

Hier werden nun Ausschnitte von Gorkis Literatur zu finden sein, in diesem Beitrag ein Dialog aus dem berühmten Theaterstück «Nachtasyl» aus dem Jahr 1901. Das historische Vorbild für die Handlung besuchte Gorki mehrfach in Nischni Nowgorod, das Gebäude kann heute noch am Fuße des Kremls besichtigt werden. Zuerst gibt es wieder die Übersetzung auf Deutsch, die von der Studentin Viktoria Rjabikina angefertigt wurde, und weiter unten finden Sie das russische Original.  Einen weiteren Überblick über die gesamte Erzählung finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Nachtasyl. Vielen Dank für diese schöne Übersetzung und viel Freude beim Lesen!

Dialog aus  „Nachtasyl“  von Maxim Gorki

Baron: Du bist immer freundlich, wenn du betrunken bist…Und klug…

Satin: Wenn ich betrunken bin…mag ich alles. Tja…Betet er an? Wunderbar! Der Mensch kann glauben oder nicht glauben…das geht nur ihn an! Der Mensch ist frei…er zahlt selbst für alles: für Glauben, für Unglauben, für Liebe, für Sinn – der Mensch zahlt selbst für alles, und deswegen ist er frei!…Der Mensch, so ist es halt! Was ist der Mensch? Das ist nicht du, nicht ich, nicht sie…nein! Das ist du, ich, sie, ein Alter, Napoleon, Mohammed…in einem! (Er reißt mit einem Finger eine menschliche Figur in der Luft um). Verstehst du? Das ist unermesslich! In diesem sind alle Anfänge und Enden…Alles ist im Menschen, alles ist für den Menschen! Es gibt nur den Menschen, alles Übrige ist mit seinen Händen und seinem Gehirn gemacht! Mensch! Das ist wunderschön! Das klingt…würdig! Mensch! Der Mensch muss respektiert werden! Nicht bedauern…nicht mit Bedauern herabwürdigen…man muss ihn respektieren! Stoßen Wir auf den Menschen an, Baron! (Er steht auf) Gut ist es…sich wie ein Mensch zu fühlen! Ich bin Arrestant, Mörder, Betrüger…na ja! Wenn ich auf der Straße gehe, schauen die Leute mich wie einen Schupper an…und halten sich von mir fern und wenden sich um…und oft sagen zu mir „Saukerl“! Gaukler! Arbeite!“ Arbeiten? Wofür? Um satt zu sein? (Er lacht) Ich missachte immer jene Menschen, die zu viel sorgen dafür, um satt zu sein… Nicht darum handelt es sich, Baron! Nicht darum handelt es sich! Der Mensch ist darüber! Der Mensch ist über der Sattheit!

Baron (Er schüttelt den Kopf): Du sinnst nach…Das ist gut…das wärmt vielleicht dein Herz… Ich habe es nicht…ich kann es nicht! (Er schaut sich um und sagt leise, vorsichtig.) Ich habe Angst, Bruder,…manchmal.

Verstehst du? Benehme mich feige…Und…was denn?

Satin (Er geht weg). Nix! Vor wem muss der Mensch Angst haben?

Baron: Weißt du…solange ich denken kann…habe ich einen Nebel im Kopf. Nie verstand ich etwas. Mir…ist es nicht recht wohl…mir scheint es, als ob ich mich das ganze Leben nur umgekleidet hatte…aber wozu? Verstehe ich nicht! Studierte, trug die Uniform des Institutes…aber studierte was? Erinnere mich nicht…Heiratete – zog einen Frack an, dann einen Hausrock…und hatte eine böse Frau gewählt – und warum? Verstehe ich nicht…Ich lebte mich aus, trug irgendwelchen grauen Sakko und eine rote Hose…und wie bin ich arm geworden? Bemerkte ich nicht…Diente in der Schatzkammer…einen Dienstrock, eine Kokardenkappe…griff öffentliche Gelder an, wurde mit der Gefängniskleidung bekleidet…und dann – zog das an…Und alles…wie in einem Traum…ja? Ist das…lustig?

Satin: Nicht besonders…eher dumm…

Baron: Ja…ich meine auch, dass es dumm ist…Aber…bin ich zu etwas geboren…ja?

Satin: (lachend). Wahrscheinlich…Der Mensch wird zu was Besserm geboren! (Nickend). So…ist es gut!

 

Максим Горький Отрывок из пьесы «На дне»

Барон. Ты всегда добрый, когда выпьешь… И умный…

Сатин. Когда я пьян… мне все нравится. Н-да… Он — молится? Прекрасно! Человек может верить и не верить… это его дело! Человек — свободен… он за все платит сам: за веру, за неверие, за любовь, за ум — человек за все платит сам, и потому он — свободен!.. Человек — вот правда! Что такое человек?.. Это не ты, не я, не они… нет! — это ты, я, они, старик, Наполеон, Магомет… в одном! (Очерчивает пальцем в воздухе фигуру человека.) Понимаешь? Это — огромно! В этом — все начала и концы… Всё — в человеке, всё для человека! Существует только человек, все же остальное — дело его рук и его мозга! Чело-век! Это — великолепно! Это звучит… гордо! Че-ло-век! Надо уважать человека! Не жалеть… не унижать его жалостью… уважать надо! Выпьем за человека, Барон! (Встает.) Хорошо это… чувствовать себя человеком!.. Я — арестант, убийца, шулер… ну, да! Когда я иду по улице, люди смотрят на меня как на жулика… и сторонятся и оглядываются… и часто говорят мне — «Мерзавец! Шарлатан! Работай!» Работать? Для чего? Чтобы быть сытым? (Хохочет.) Я всегда презирал людей, которые слишком заботятся о том, чтобы быть сытыми… Не в этом дело, Барон! Не в этом дело! Человек — выше! Человек — выше сытости!..

Барон (качая головой). Ты — рассуждаешь… Это — хорошо… это, должно быть, греет сердце… У меня — нет этого… я — не умею! (Оглядывается и — тихо, осторожно.) Я, брат, боюсь… иногда. Понимаешь? Трушу… Потому — что же дальше?

Сатин (уходит). Пустяки! Кого бояться человеку?

Барон. Знаешь… с той поры, как я помню себя… у меня в башке стоит какой-то туман. Никогда и ничего не понимал я. Мне… как-то неловко… мне кажется, что я всю жизнь только переодевался… а зачем? Не понимаю! Учился — носил мундир дворянского института… а чему учился? Не помню… Женился — одел фрак, потом — халат… а жену взял скверную и — зачем? Не понимаю… Прожил все, что было, — носил какой-то серый пиджак и рыжие брюки… а как разорился? Не заметил… Служил в казенной палате… мундир, фуражка с кокардой… растратил казенные деньги, — надели на меня арестантский халат… потом — одел вот это… И всё… как во сне… а? Это… смешно?

Сатин. Не очень… скорее — глупо… Барон. Да… и я думаю, что глупо… А… ведь зачем-нибудь я родился… а? Сатин (смеясь). Вероятно… Человек рождается для лучшего! (Кивая головой.) Так… хорошо!